Anekdoten: Unter der Kirchentür

Heiteres und Besinnliches aus dem Mesnertagebuch
von Gertrud Beuttler in schwäbischer Sprache.

 

 

 

 

 

 

DER DIENST:

Schlofa derf a Mesnerin net, au net, wenn se henta
em Eck sitzt.
Ond scho gar net, wenn a fremder Pfarrer do isch.
Do kanns nämlich passiera, dass dr Pfarrer vorne sagt:
“Wir singen jetzt das Lied ---- ja wenn ich jetzt wüsste
welches.“ Do muaß i blitzschnell reagiera.
Au wenns passiert : “Wir sprechen den Psalm ------
welchen Frau Beuttler?“
Wia g’sait, schlofa derf a Mesnerin net, ond
anstandshalber au net gähna!



Wenns Herbst wird, no ganget d’ Spinna dr
Wärme noch ond lasset sich häuslich nieder en
dr Kirch. Neulich isch während dr Predigt a
riesigs Vieh von dr Lamp ronterkomma. A Frau vor
mir hot grad no en Schroi unterdrückt, aber ihr
Andacht war dahin.


„Abstauba solltet ihr euern Jesus au amol wieder"
hot a Frau noch dem Gottesdienst zu mir g’sagt,
„do oba am Kreuz hots Spennaweba.“
No ben i halt uf da Altar nufg’stiega ond han den
Jesus abg’wäscha. Des war a komisch’s G’fühl.

S isch a goldene Hochzeit. S isch Winter ond kalt,
ond dia Hochzeitsgäst sitzet älle scho en dr Kirch
ond wartet uf des Jubelpaar.
Kurz vor dem Läuta merk i, dass i die Hochzeitsstühl
vergessa han. S hift nix, i muass vorlaufa ond dia
Stühl aus dr Sakristei raustraga. Do sait a Frau:
“Gell, dia hosch g’wärmt.” Ganz klar, was denn sonst.


Wenn i em Urlaub ben werd i henta ond vorna
vermisst. Sagt a Kindergartenkind zu seiner
Mutter: “Mama, d’ Frau Pfarrer isch wieder do,
dui wo putzt.“

Nach dem Erscheinungsfest brauch i sowieso
immer Urlaub. Über Weihnachta 10 mal
Gottesdienst in zwei Wochen, über tausend Leut
am Heiligen Abend. Proba, putza, Schnee schippa,
nix vergessa, ond emmer fröhlich ond freundlich
sei, des isch koi Schleckhaf, ond zwoi Pfarrer
ond en Vikar bediena au net.
Drom hot d Mesnerin von dr Nachbargemeinde
g’ moint, wenn mei Pfarrer net will, no mach i
Dienst nach Vorschrift, no klappts.
                                                         


HEITERES AUS DEM KIRCHENALLTAG:

A riesiges Mobile hängt en dr Kirch. D Vikarin
will an der Konfirmation drüber prediga, dass
d Gemeinde oi Leib sei ond viele Glieder hät.
Sie bittet a Frau oba uf dr Empore, dass se
während dr Predigt symbolisch ein Teil
abschneidet, wenn sie rüberwinken tät. Ond mr
soll dann gucka, was passiert.
„Au noi, „ sagt do dui Frau, „des kann i net,
i ben katholisch.“



D Konfirmanda probet für ihr Fest en dr Kirch.
Se müsset üba, wia se reilaufa sollet, wo se
sitzet, ihre Sprüch ins Mikrofon  saga, wia mr
am besta  nakniet ond schliesslich au no s’
Nauslaufa. Dr Pfarrer sagt: „Wir beginnen mit
dem Ausziehen bei den Mädchen.“


Em Pfarrer sei Windelpredigt hot an Weihnachta
dia Gemüter der Gemeinde scho arg bewegt.
Drbei hot er blos demonstriera wella, wia tief
sich Gott zu ons Menscha ronterg’lassa hot.
Zom Glück hot er dui Windel net au no an d’
Kanzel mit Klemmerla nag’macht. Des hot er
nämlich au no wella. Aber er hot mein Ratschlag
akzeptiert, weil mir  mei G’fühl g’sagt hot,
dass des net guat wär. Ja no, er isch en Urlaub,
ond i han derfa da Rest ausbada.

Anfangsschwierigkeiten bei Vikarinnen und
Vikaren verleiten  häufig zum Schmunzeln.
„So lasst uns nun die Taufe an diesen heiligen
Kindern vollziehen. Ich bitte Eltern und Paten
zum Taufstein, der Rest kann sich setzen.“

„Also wird ein Mann Vater und Mutter verlassen
und werden die beiden eins zwei sein,“ meinte
die Vikarin bei der Trauung.

Wer woiss scho, dass VIM Kraft hoißt. Do drüber
war d Predigt an dr Konfirmation. Des hot d Leut
halt wieder ufg’regt. D Vikarin isch von ihrem
Schemele ronterg’falla, des braucht se, weil se
sonst uf dr Kanzel z’klei isch. I han vorgessa
d Fahne hissa, ond a Bettler isch vor dr Kichatüer
g’sessa uf em Boda, was de Leut z’wider war.
Aber hät i ihn solla fortschicka? Am Tempel en
Jerusalem hend derfa au Bettler sitza. Also, bitte.


Ond am Konfirmationssonntag sollt a Mesnerin
grad au no zaubera könna. Do fehlt a
A’steckblümmle, dr Pfarrer braucht schnell
Sicherheitsnodla ond a Taschalamp ond Schnur
ond wenn’s got no 50 Kuli ond sei Taschatuch
häb er au vogessa.
Vielleicht sollt i a Kauflädle ufmacha.



KINDER:

S isch Erntedankfest, ond d Kindergartenkinder
brenget viele Körbla mit Obst ond Gemüse. 
Wia se no mit ihrem Senga fertig send, sait a
kleiner Bua ganz laut: „Ond wann esset mir
des älles?“


„ Was glaubt ihr, was mit diesen vielen Sachen
nach dem Erntedankfest geschieht?“ fragt der
Pfarrer die Kinder. „Des isst dr liebe Gott,
sait a Mädle. „Ja glaubst du  dass der das alles
mag und essen kann?“
Antwort: “Ha no isst des dr Herr Pfarrer ond
d Frau Beuttler.“


Wia jedes Johr beim Krippenspiel irrt dr Joseph
mit seiner Maria von Haus zu Haus ond sucht
Quartier. „Nein,“ sagt der Wirt, “kein Platz“.
Druf moint dr Joseph: „Mei Frau isch aber ganz
arg schwanger!“


Vor mir sitzt a Mädle mit seiner Oma ond guckt
während dr Predigt neugierig en dr Kirch rom,
weil’s ihr langweilig wird. Noch dem Amen sait
se zu mir rom: “gell do henta gots end
Speiskammer nei,“ ond zeigt uf d Sakristeitür.


„Herr Pfarrer, möchst du wissa, was i heut Nacht
träumt han?“ sagt a Kend noch dem
Familiengottesdienst, „i han träumt, dass i mit
ohne Stützräder Fahrrad fahra kann!“


Ganz ufg’regt kommt a Kend hoim: „Mama,
Mama, i han ihn g’sea, er hot ganz wuschelige
Hoor ond isch gaaaanz groß, ond des isch onser
neuer Tröster.“


PANNEN:

I han s’ Läuta vorgessa be dr Beerdigung voma Ma.
Des isch arg, des kann mr nemme nochhola.
Ärger isch aber, was a Frau a paar Tag später
zu mir g’sagt hot: „Worom hot mr dem net g’läutet,
hot sich der g’hengt?“

Sage und schreibe, fünf Monat hots dauert, bis
mr en defekta Glockamotor ausg’wechselt hot.
Jetzt läutet mir elektronisch mit dem Nachteil,
dass mr s Vateronser blos no läuta ka, wenn mr
en dr Kirch s Licht ausmacht.


O Technik! Jetzt war er do, der Monteur ond
hot versichert, jetzt tuat älles ond en jedem Fall.
Bei dr nächsta Hochzeit got oi Glock net aus. Se
läutet ond läutet. Eischalta, ausschalta, se
hört net uf. En meiner Verzweiflung mach i d
Sicherung raus. Se läutet ond läutet. Des ka net
sei, des woiß au a Frau. I renn nauf auf d’ Bühne
ond heb dui Glock von Hand an. No hots d
Hauptsicherung naus ond en dr Kirch wars Nacht
ond d Orgel hot da Geist ufgea.

Drei Wocha war a Dreck en dr Kirch, dass oim
graust. D’Elektriker send do, schlaget Löcher,
klopfet Schlitz ond montieret a neue Bankheizung.
Reißet d’ Holzdecke ronter, steiget uf d’ Polster,
nehmet Stuhlkisse zom Draufknia auf den Boda
ond saget, „jetzt gibt’s koin Dreck mehr, bloß no
Sägmehl ond Staub.“
Des wär älles net so schlemm, aber jeden Samstag
isch a Hochzeit ond sonntichs isch Kirch.
Au des got vorbei ond no got älles automatisch.
Mit de Handwerker han i ausg’macht, wenn sie
mi brauchet, no sollet se d Glock 1 läuta. Se hends
tatsächlich g’macht. I sitz uf mei Fahrrad, ond em
Augablick ben i do.
„Dui kommt tatsächlich,“ sait a Lehrling, „des
hät i net glaubt.“ „Wo hebts?“ sag i, „foppa derfet
ihr mi net!“ „Mir hättet gern en Kaffee, wenn’s got.“


O HERR, bewahre uns vor dem Läuten in der Nacht!
Dann isch’s passiert mit dem Computer. Mitta
en dr Nacht hot’s um 0 Uhr ang’fanga mit Läuta.
8 Minuta send lang, wenn mr net woiß worom.
An dem Tag wär i am liebsta net en Flecka.
Oiner hot g’moint, sei Kriag, a anderer, dr Pfarrer
sei g’storba.
Oiner hot en dr Nacht em katholischa Pfarramt uf
den Anrufbeantworter schria: „I hol d’Polizei,
wenn des net ufhört!“
So a Fehler passiert oim bloß oimol.

D’ LEUT:

S isch Fastenzeit ond sieben Wochen ohne.
Do drzua gibt’s de onterschiedlichste Reaktionen:
„Wenn dr Pfarrer Müsli verträgt, no soll er’s halt
essa.“

„ Was soll i do weglassa, am besta s’Schaffa,“
sagt a Mann, der mit seiner Frau am Schaukasta
stot. “Guck no, was mr do älles nemme derf:
koin Kaffee, koin Alkohol, koine Zigaretta,
koi frenseha, ha no ka mr’s glei bleiba lau.“
Ond no send se nüber ens Kaffee.



Vor mir sitzt a älterer Herr neba a Frau na, sait
„Guata Morga, wia gots?“ Aber sie brummt blos
ebbes vor sich na. „Was machst denn für a bös
G“sicht?“ frogt der Ma. “Do druf dui Frau ganz
kurz: „I han koi anders.“


S hot 32° em Schatta, s isch Sommer ond Kinderfest.
D Kirch isch da ganza Tag offa ond dui Kühle dren tut
guat. Aber mitta em Mittag kommt a furchtbars
Gwitter mit Wolkabruch. Dia Leut rennet mit Essa
ond Trenka ond Kender ond Kenderwäga nex wia
nei onters Dach.
„Schaffet, dass sich das Volk lagere,“ so stots en
dr Bibel. Ond do drnoch blieben übrig Brocken,
zwölf Körbe voll, ond Biergläser, ond Flascha,
ond Teller ond Papier ond Schnuller ond Wendla
ond ganz, ganz viel Kruscht.


Des isch bestimmt a Oma, dui beim Taufgottesdienst
zu mir henta nasitzt.
Wia dr Pfarrer noch dem ersta Lied mit seiner
Ansproch anfangt sait se:
„Der soll net so viel schwätza ond anandernoch dia
Kendla taufa, dass mr wieder hoimkommt.“


Se saget, der alte Mann, der scho a Weile em
Gottesdienst fehlt, sei krank.
I mach en Bsuach..“Wenn sie net komma könnet,
no muaß i noch ihne gucka.“
„Do wird’s Zeit,“ sagt der Mann, „i wart scho zwoi
Wocha uf sia.“