Glocken als Liturgie

Glocken als Instrumente der gottesdienstlichen Liturgie:

 

Glocken haben - das spürt jeder, der einmal aufmerksam ihrem Läuten zuhört - einen Klang. Sie sind weder "Geräusch" noch machen sie "Lärm". Sie sind eine Art programmierte Turmmusik. Sie wollen uns rufen: zum Gottesdienst, zur Gemeinschaft und zum Gebet. Sie rufen uns im Alltag zur Fürbitte untereinander und führen uns zusammen zur Feier des Hl. Abendmahls, zur Taufe, Trauung und Bestattung. Der vertraute Ton der Glocken soll uns daran erinnern, dass unser Leben unter der Treue Gottes steht. Sie sollen jeden unserer Tage begleiten, vom ersten bis zum letzten.

Unsere Laurentiuskirche hat vier Glocken:

1. Die Tauf- oder Friedensglocke aus dem Jahr 1908, mit der Aufschrift "Friede auf Erden". Sie ist die kleinste der Glocken und läutet im Besonderen beim Taufakt im Gottesdienst. Sie ruft die Gemeindeglieder zur Fürbitte für die Täuflinge.

2. Die Zeichenglocke ist aus dem Jahr 1954 und trägt die Aufschrift "Ehre sei Gott in der Höhe ...". Sie läutet eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst und werktags zu den Stunden, die nach der biblischen Überlieferung mit dem Sterben Jesu am Kreuz verbunden sind: um 11 Uhr, der Stunde dereinbrechenden Finsternis (Matthäus 22,45), und um 15 Uhr, der Todesstunde Jesu (Matthäus 27, 46 und 50).

3. Die Betglocke, gegossen 1950, trägt die Aufschrift "Herr, lehre uns beten". Sie ruft uns in der Frühe um 7 Uhr zum Morgengebet und um 19 Uhr zum Abendgebet. Acht Minuten vor dem Gottesdienst übernimmt sie das Vorläuten und rüstet die Gemeinde zum Hören auf Gottes Wort, und im Gottesdienst läutet sie zum Beten des Vaterunsers.

4. Die Schiedglocke aus dem Jahr 1959 ist die größte im Vierergeläut und trägt die Aufschrift: "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist". Sie läutet, wenn ein Gemeindeglied gestorben ist und ruft um 9 Uhr zur Fürbitte für den Verstorbenen und seine Angehörigen und mahnt an die eigene Sterbestunde.

Jedes Läuten unserer Glocken steht im Dienste der gottesdienstlichen Liturgie und ist eine Botschaft an die Gemeinde. So, wie die Liturgie an besonderen Feiertagen variiert, so hat auch das Geläut unserer Kirche bei besonderen Anlässen verschiedenen Klang: zu Festgottesdiensten sowie zum Gottesdienst am Sonntag erklingt das Vollgeläut, ebenso zum Einläuten am Vorabend. Sonst erklingen nur zum Einläuten die Bet- und Zeichenglocke. Diese beiden läuten auch zur Kinderkirche und wochentags zu Bittgottesdiensten. Ernste Feiertage wie Karfreitag, Bußtag, Totensonntag und Passionsandachten erhalten zum Einläuten und zum Gottesdienst als besonderes klangliches Kennzeichen das ernste Geläut der Schied- und Betglocke.

So steht das Glockengeläut als ein Stück geistlicher Musik im engstenZusammenhang mit der Verkündigung des Wortes Gottes, das uns ruft, mahnt und froh machen will und seinen Klang in unsere Gemeinde weit hinausträgt.

Gertrud Beuttler