Juli 2016: Besuch aus Bethlehem

Reisebericht
Gäste aus Bethlehem in Maichingen
„Ich war nie gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung, aber das hier hab´ sogar ich kapiert, die Chance, dass wir beide uns treffen, ging gegen Null und doch stehen wir jetzt hier!“
So lautet ein Vers in Max Giesingers Hit „80 Millionen“ - und so ähnlich erging es auch uns im Verlauf des Aufenthalts unserer Gäste aus Bethlehem: einem unserer Gäste ging es nicht gut und wir gingen vorsichtshalber mit ihm ins Krankenhaus.
Und ausgerechnet an diesem Abend war der Arzt in der Notaufnahme ein Palästinenser aus dem Gazastreifen, der seit 40 Jahren in Deutschland lebt!
Dadurch gestaltete sich das Gespräch und die Diagnose ganz einfach und nach kurzer Zeit konnte der Gast und seine Gastgeber das Krankenhaus wieder verlassen.
Pures Glück oder reiner Zufall? Ich persönlich glaube nicht an so etwas.
Insgesamt war es eine abwechslungsreiche und, für unsere Gäste, anstrengende Woche. Sind sie doch das viele Laufen nicht gewohnt.
So hatten wir die Gelegenheit, die meisten Bänkle der Insel Mainau zu testen und strichen die Betriebsbesichtigung bei Mercedes Benz ersatzlos, was dem Ganzen jedoch keinen Abbruch tat.
Die Gefahr besteht grundsätzlich darin, dass man ein reichhaltiges Programm anbieten möchte, wenn schon mal Gäste aus Bethlehem da sind. Aber u. U. sind sie damit auch überfordert. Teilweise erging dies Teilnehmenden auf unseren Israel – Palästinareisen auch so.
Im Verlauf des Aufenthaltes haben auch wir so Einiges gelernt. Z.B. dass es in palästinensischen Kindergärten keinen Sandkasten gibt wegen der Skorpione und dass der Umgang mit Fuchsschwanz, Laubsäge und Hammer, wie ihn die Kinder bei uns erlernen, dort nicht denkbar ist. Die Kinder wissen aus den Medien, dass diese Werkzeuge auch als Waffen gegen Menschen eingesetzt werden.
Hätten Sie außerdem gewusst, dass es im Boden des Beethovensaal´s in der Liederhalle einen Brunnen gibt, den man aufdecken kann? So etwas erfährt man auf der City – Tour mit dem Doppeldeckerbus durch Stuttgart!
Schade war, dass zum Begegnungsabend nicht ganz so viele den Weg ins Laurentiusgemeindehaus gefunden haben. Es kamen zwar fast so viele, wie erwartet, aber es gab noch genügend Platz.
Natürlich gibt es vor den Ferien unzählige „Konkurrenzveranstaltungen“, Hocketsen und Festle und die Entscheidung fällt da manchmal schwer. Oder man will einfach auch einmal seine Ruhe haben. Doch die, die kamen, konnten sich zuerst an arabischen Salaten, Fleisch und Wurst vom Grill erfreuen und wurden danach ausführlich über die Aktivitäten unserer Partnergemeinde informiert.
Sehr positiv war, dass aus ca. 300 angeschriebenen Mitgliedern unserer Gemeinde und Maichinger Firmen 56 Spender dieses Projekt finanziell unterstützt und überhaupt möglich gemacht haben!
Zudem haben unsere Gäste im Gottesdienst und in der gemeinsamen Kirchengemeinderatssitzung sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie an dieser Partnerschaft festhalten wollen.
Bereits für das nächste Jahr sind wir nach Bethlehem eingeladen und es gibt bereits schon Interessenten für diese Reise. So könnten wir doch zu den zahlreichen Veranstaltungen zum Lutherjahr aus Anlass des 30 – jährigen Jubiläums der Partnerschaft eine Reise zur Evang. - Luther. Gemeinde der Weihnachtskirche in Bethlehem anbieten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir danach solch eine Gelegenheit noch einmal bekommen, ist ziemlich genau Null!
An dieser Stelle möchte ich mich auch ausdrücklich bei den Gastgeberfamilien Elfriede
und Peter Marotzke und Helga und Wolfgang Speer bedanken!
Ohne ihre großartige Unterstützung wäre dieses Projekt nicht durchführbar gewesen!
Um es mit Worten von Martin Luther zu sagen: „Wenn ich viel reisen sollte, wollte ich nirgend lieber als durch Schwaben und Bayern ziehen; Denn sie sind sehr freundlich und gastfrei“.
Unsere Partner in Bethlehem stehen auch schon in den Startlöchern, um dies zu beweisen.
Thomas Beuttler